Mein erster Eindruck vom Petzval 85mm 2.2

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Letzte Woche war Andrea da, und hat ihre Lieblingsobjektive mitgebracht. Wir sind in den Wald um die Ecke gefahren und ich durfte auch mal damit spielen — danke.

Das Petzval hat es mir besonders angetan. Die Linse ist ein echter Hingucker mit ihrem schweren Korpus aus Messing — vielleicht wichtig als primärer Prahlmodus für den ein oder anderen Fotografen Es ist ein rein manuelles Objektiv. Das bedeutet es werden keinerlei Informationen an die Kamera übertragen, manuelle Bedienung von Fokus und Blende ist also angesagt.

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Um das Petzval an einer Systemkamera — in meinem Fall im Micro FourThirds Standard — zu betreiben ist ein Adapter notwendig. Da Andrea digital in der Canon Welt unterwegs ist haben wir hier ein Petzval mit Canon EF-Mount. Folgerichtig benötige ich einen Adapter auf MFT, wie zum Beispiel den Novoflex MFT/EOS Adapter. Wer jetzt über den Preis stöhnt, dessen Gesicht möchte ich sehen wenn das Kamera-Teil das er gerade nicht in der Hand hält Kontakt mit dem Boden aufnimmt. Klar gibt es preiswerte Adapter aber wer möchte schon sein teures Equipment einem Billigadapter anvertrauen?

Beim stolpern durch das Unterholz auf der Suche nach coolen Locations verliert man sehr leicht die Blende, da sie nur eingesteckt ist. Hier ist höchste Aufmerksamkeit geboten. Bei unserem Spaziergang hat sie mehr als ein mal auf dem Waldboden gelegen. Es ist sinnvoll sich eine clevere Sicherung zu überlegen… zum Beispiel mit einen Gummi oder einer Fangschnur die am Objektiv befestigt wird.

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Das manuelle Einstellen, und Beurteilen der Schärfe im elektronischen Sucher geht sehr gut. Als Hilfsmittel stehen bei Bedarf Lupe und Fokus-Peaking zur Verfügung, die ich auf die vorderen Tasten gelegt habe. Ich bin aber sehr gut ohne diese Hilfsmittel klar gekommen.

Allerdings ist Schärfe hier ein relativer Begriff. Das Petzval erzeugt bei Offenblende einen sehr weichen, verträumten, fast malerischen Bildeindruck und ein quirliges Bokeh. Das Motiv platziert man am Besten immer zentral in der Mitte!

Im Internet findet man auch gestochen scharfe Bilder, ich denke diese gelingen wenn man mit Stativ arbeitet und die Blende schließt. Wir haben bei diesen Aufnahmen mit Blende 2.2 (Offenblende) gearbeitet, und natürlich aus der Hand fotografiert — so wie ich das halt liebe

Andrea

Ich habe im Vorfeld an verschiedenen Stellen gelesen der Effekt wäre zu schwach bei dem relativ kleinen mFT Sensor. Ich finde ihn mehr als ausreichend. Man muss nur darauf achten das man selbst möglichst nah am Motiv, und der Hintergrund möglichst weit weg ist. Ausserdem muss man den Hintergrund mit bedacht wählen um ein ansprechendes Bokeh zu erzeugen.

Fazit: Es ist kein Objektiv für jedes Motiv. Es ist ein Objektiv das man sich erarbeiten muss. Der Swirl-Effekt des Bokehs nutzt sich — finde ich — schnell ab wenn man ihn zu häufig benutzt. Für ausgewählte Motive finde ich es genial. Man liebt es oder man liebt es nicht. Ich liebe es

Interessant wäre für mich das Objektiv mal an den  Metabones Adapter zu schrauben, und auch die 58 mm Variante des Petzval zu testen. Alternative Objektive, die ich auch mag und gerne an meiner Kamera sehen würde:

Soweit mein erster Eindruck. Vielleicht leiht mir Andrea das Objektiv ja noch einmal. Ich freu mich drauf Andrea hat ihren Erfahrungen mit analogen Objektiven auch einen Artikel gewidmet. Wer mag schaut vorbei. Deine Erfahrungen mit dem Petzval, oder mit anderen analogen Schätzchen würden mich interessieren. Ich freu mich über Kommentare.

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