Fotobuch

Was war was ist was wird

Lesezeit ca. 3 Minuten.

Ich hab vor kurzem ein schönes Zitat gefunden das dem Fotografen Paul Strand zugeschrieben wird:

“Deine Fotografie ist für jeden, der wirklich sehen kann, ein Dokument deines Lebens…” — Paul Strand

Der erste Gedanke mag sein: “Theatralischer Nonsens. Ein Foto, ist ein Foto, ist ein Foto. Es beschreibt nicht die Wirklichkeit, es ist nicht wahrhaftig, eine Fiktion, vielleicht sogar eine Lüge. Maximal eine Momentaufnahme.” Was ein Bild in mir als Betrachter auch an Geschichten und Gefühle auslösen mag, der Fotograf des Bildes kann eine ganz andere Geschichte im Kopf gehabt haben — vielleicht auch gar keine — vielleicht wollte er einfach nur ein schönes Bild machen. Eine hochemotionale Fotografie muss in keiner Weise die Situation vor Ort wieder spiegeln. Es kann das Ergebnis eines vollkommen nüchtern, sachlichen Prozesses gewesen sein.

Ich hab mich in den letzten Jahren auch mit dem anfertigen von Portraitskulpturen beschäftigt und dem Zeichnen von Portraits, und tatsächlich zeichnet und formt man ganz intuitiv auch immer einen Teil von sich selbst in das Ergebnis hinein. Ich denke in der Fotografie kann das ähnlich sein.

Standortbestimmung

Ich hatte ja im Frühjahr nach längerem Prozess doch recht spontan meine Kamera zur Seite gelegt, und mit dem Fotografieren auf gehört. Ich hatte den Eindruck nix mehr zu sagen zu haben, war gesättigt. Ich war sprachlos, und jeder der mich kennt weiß: Das will was heissen.

Ich hab die Zeit genutzt, und mir ein Buch aller meiner Arbeiten aus den vergangenen 5 Jahren zusammen gestellt, die mir wichtig erschienen. Das Buch ist im Grunde die Weiterentwicklung meines ersten Buches.  Ich wollte einen Gesamtüberblick haben über alles was über die Jahre entstanden ist, die Dinge ordnen und einordnen, schauen ob, und was diese Fotos für eine Bedeutung für mich haben, statt immer nur weitere Bilder auf den Stapel zu schichten. Fotokonsum im Internet ist etwas vollkommen anderes als ein Buch. Im Grunde sollte es der Abschluss meiner fotografischen Laufbahn werden. Aber letztlich habe ich das wohl als Standortbestimmung gebraucht, um zu sehen wo ich her komme, um dann vielleicht Klarheit zu erlangen, ob und wie ich mit der Fotografie weiter mache. Das Buch ist sehr dick geworden. Es hat die maximal mögliche Seitenzahl erreicht die bei Blurb möglich ist: 229 Fotografien verteilen sich auf erschlagende 237 Seiten.

Fotobuch, Workbook Version 2

Ich hab ein wenig Zeit dafür benötigt um Klarheit zu erlangen, aber wann immer ich jetzt durch dieses Buch blättere erkenne ich, das alle Fotos mit mir verbunden sind. Mit jeder Fotografie verbindet mich eine Geschichte. Zumindest für mich  sind es also nicht einfach nur Aneinanderreihungen von mehr oder weniger gelungenen oder interessanten Fotos, sondern es sind Geschichten, und sie erzählen mir etwas über die Menschen die ich fotografiert habe, sie erzählen etwas über mich, und ich würde ich mich freuen wenn sie auch dem Betrachter etwas erzählen.

Jedes Foto, jede Momentaufnahme, enthält einen Teil von mir, und in Summe bilden sie tatsächlich irgendwo eine Innensicht von mir und meinem Leben — zumindest einige Aspekte davon zu einem bestimmten Zeitpunkt. Deswegen sind die Fotos genau so geworden und nicht anders. Stil und Inhalt haben mich gefunden wenn man so will. Wenn ich daran etwas ändern möchte, dann muss ich mich ändern — oder andere Aspekte von mir in den Vordergrund rücken.

Jedenfalls hat dieses #Fotobuch dazu geführt das sich meine Wahrnehmung für meine Bilder geändert hat. Nicht nur das nächste Foto das ich machen werde ist mir wichtig, sondern auch das was ich die vergangenen Jahre erschaffen hab — jedes einzelne Bild — ist mir wichtig, und darf gerne meine Wertschätzung erfahren.

Reisegedanken

Das Ganze mündete ja bekanntlich darin das ich mich jetzt in der Fotoakademie Köln wieder finde. Ich werde auch im kommenden Jahr noch bewusster weniger fotografieren, und all das was ich jetzt lernen darf einließen lassen, die analoge Fotografie ausbauen, mich noch mehr mit dem Drucken und der Präsentation von Bildern beschäftigen, werde mit [icon name=“heart” class=”” unprefixed_class=“”] alten und neuen Freunden [icon name=“heart” class=”” unprefixed_class=“”] neue Wege probieren und schauen wohin die Reise geht.

2017 wird rocken stay tuned…

Workbook — (m)ein Fotobuch

Lesezeit ca. 3 Minuten.

Heute ist es so  einfach seine Bilder im Web zu teilen und sie einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren — oder man hält sie einfach auf dem Smartphone oder einem Tablet zum zeigen bereit. Ich nutze und schätze all diese Möglichkeiten, aber ich erstelle mir trotzdem zusätzlich einmal im Jahr ein Fotobuch von meinen liebsten Arbeiten das einen Platz in meinem Bücherregal findet.

Fotobuch mit 170 Seiten

170 Seiten Fotobuch

Nun hab ich allerdings auch einige Freunde und Verwandte die mit dem Internet und Computern recht wenig anfangen können — und die wie ich festgestellt habe gar nicht richtig wissen was ich denn so fotografiere. Aus diesem Grund habe ich dieses Jahr mal ein “Best of” — Giveaway aus den vergangenen vier Jahren gemacht. Das Fotobuch umfasst stattliche 170 Seiten und fühlt sich anders an  als die dünnen Jahrbücher die eher wie Broschüren wirken statt wie richtige Bücher. Das Format ist mit 2025 cm sehr handlich zum mitnehmen, gerade richtig das die Fotos gut zur Geltung kommen, aber nicht zu groß.

Normal benutze ich zum erstellen von Druckwerken Indesign oder Scrivener. Beim Erstellen meiner Fotobücher bin ich allerdings faul und nutze die in Lightroom integrierte Buchfunktion, welche dann per Upload zum Druck bei Blurb landen. Vom Buch‐Design ist man in Lightroom zwar eingeschränkt, aber diese Einschränkung empfinde ich in diesem Fall als vorteilhaft und als Arbeitsbeschleuniger.

Konzeption

Bei der Konzeption habe ich einen schlichten Ansatz gewählt. Ich habe weder Vorwort noch Seitennummern noch Bildtitel oder Beschreibungen eingefügt, sondern mich auf die Bilder konzentriert und alles Ablenkende weg gelassen. Lediglich ein Impressum auf der letzten Seite fand ich wichtig. Die Fotos sind nicht zeitlich, sondern grob nach Themen geordnet und in Kapiteln zusammen gefasst. So stehen alte und neue Arbeiten in meinem Fotobuch munter durcheinander. Bei vielen Fotos habe ich darauf geachtet das sich sinnvolle Zusammenstellungen ergeben. Sowas mache ich immer aus dem Bauch heraus.  Doppelseitige Composings aus der Serie Sketchbook dienen als Trenner zwischen den Kapiteln für die meine Themen herhalten müssen: Portraits, Konzeptionelles, Sketchbook, Darkroom, Streetfotografie und Dinge (Artifacts). Um das ganze etwas aufzulockern  habe ich manche Themen aufgeteilt und über mehrere Kapitel gestreut. Zum Beispiel kommen zwei Kapitel mit Portraits vor: Einmal normale Portraits, und ein zweites mal  Streetportraits.

Neben den doppelseitigen Fotos befindet sich in der Regel auf jeder Seite ein Bild — entweder zentriert mit Rahmung, oder formatfüllend am äusseren Rand. Ich wechsele zur Auflockerung zwischen diese beiden Layout‐Schemas — aber nur da wo es Sinn macht, und nicht zu oft. Nur in Ausnahmen habe ich mal zwei oder vier Fotos auf einer Seite.

Das Fotobuch Fazit

Es ist also ein buchstäbliches Bilderbuch geworden, das einfach zum stöbern einlädt. Die Haptik ist gut. Die Qualität des Druckes auf dem seidenmatten,  190g/qm schweren Papier ist toll. Ich nehme es gerne in die Hand um darin zu blättern. Das mattschwarze Hartcover schaut wertig aus, ist stabil und schützt den Inhalt. Die Klebebindung entspricht dem Stand der Technik, mal schauen wann die ersten Seiten herausfallen.

Die beiden gedruckten Exemplare sind ja bereits vergeben. Für die nächste Auflage werde ich inhaltlich ein paar Kleinigkeiten anpassen. Zum Beispiel sitzt der Text auf der Umschlag‐Vorderseite ein wenig zu weit rechts, und ein paar Fotos werden neu positioniert. Da bei dem verwendeten Papier ein Buch bis zu 240 Seiten fassen darf werde ich diese Zusammenstellung in den kommenden Jahren wohl noch erweitern.

Soweit, so gut. Zum Thema Bindung äussert sich Blurb auf seiner Webseite nicht. Es gibt Anbieter wie Pixum, Cewe, oder Saal die weitere Varianten von Bindungen anbieten, unter anderem eine Layflat-Bindung, die speziell für Fotos die über Doppelseiten gehen besser geeignet ist. Vielleicht werde ich die auch mal ausprobieren.

Epilog

Ich liebe Fotobücher, und könnte zum #Fotobuch Junkie werden. Eigentlich sollte ich viel mehr drucken, um zum Beispiel Portfolio‐Mappen zu erstellen, oder um meine Fotos oder die anderer Fotografen an die Wand zu hängen — ruhig auch mal etwas größer. So werden die nur virtuell und in Bits und Bytes existierenden Arbeiten physisch und wunderbar greifbar. Die gedruckten Fotos können ja auch selbst wieder kreativ genutzt und Gegenstand von neuen Arbeiten werden: Man kann sie “voll analog” zerreißen, beschriften und bemalen… da darf man ruhig auch mal die Fantasie spielen lassen. Viel Spaß dabei! — Carsten