Olympus

Nightscapes

Lesezeit ca. 1 Minute.

Eigentlich wollte ich letzten September an der Grenze zwischen Stadt und Natur fotografieren, und hatte dabei eine Serie in schwarz-weiß mit harten Kontrasten, Unschärfen, und viel Rauschen im Sinn. Ich wollte das genaue Gegenteil von dem machen wie ich bisher fotografiert habe, und viel experimenteller werden. Raus aus der Komfortzone! Gegend und Uhrzeit waren fest in meinem Hirn verankert: Die blaue Stunde am frühen Morgen sollte es sein. Der Wille war da, aber irgendwie bin ich kein Frühaufsteher. Deshalb scheiterten mehrere Anläufe daran, das ich den Wecker überhören wollte. Irgendwann hatte ich die Faxen dicke, und bin schließlich recht spontan am späten Nachmittag aufgebrochen, um in die blaue Stunde am Abend hinein zu fotografieren. Einfach mal gucken was geht. Hier ein paar der Ergebnisse:

Aus dem Ergebnis des Abends kann ich mehrere Serien legen und erhalte so Ansätze für weitere Bildstrecken. Aber: Ich tu mich mit dem späteren Anknüpfen weiterer Bilder meist schwer. Im Moment gehören die Fotos alle zusammen.  Sie bilden eine Serie über eine Wanderung entlang der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit. Das fand ich einen schönen Gedanken. Die Nacht hat für mich etwas mystisches, geheimnisvolles. Die Wahrnehmung verschwimmt, und es entsteht Raum für Fantasie.

Die Bilder bewegen sich irgendwo zwischen #Landschaftsfotografie, #Nachtaufnahmen, und #Streetfotografie. In dem Zusammenhang ist mir neulich der Begriff „Human Landscapes“ begegnet, den ich sehr schön finde. Ich bleibe aber erstmal bei meinem ersten Gedanken bezeichne die Strecke als #Nightscapes bis mir was besseres einfällt

Einige der Bilder passen vielleicht prima in mein Buchprojekt Gezeitenströme. Mal sehen wie die Geschichte weiter geht.

heart affairs

Lesezeit ca. 1 Minute.

Fotografie ist ja eine Herzensangelegenheit für mich, was liegt also näher mal eine freie Fotostrecke zum Thema zu machen? Genau: Nichts! Ich hatte statt dessen etwas komplett anderes auf dem Plan als freies Projekt in diesem Semester. Geplant hatte ich eine Serie, so richtig schön mit Konzept, und Moodboard, und Skizzen von Bildideen, und einem roten Seil und so. Aber dann kam Andrea dazwischen und ein paar Organe (richtig gelesen), und heraus kam nach einem langen, kreativen Tag diese kleine Geschichte. Da ich auf Drucke stehe hab ich die Story natürlich auch gleich auf Papier gebannt. Das ist immer auch hilfreich bei der Auswahl der Aufnahmen, die es in das finale Ergebnis geschafft haben. Einige der Bilder der siehst du hier:

… Es ist irgendwie immer so bei mir: Pläne funktionieren selten, aber was aus Spontanität, Chaos und Teamwork entsteht, rockt. Mein Dank für diese Serie geht an Andrea, ohne die das alles nicht so gekommen wäre

 

Seclusion

Lesezeit ca. 1 Minute.

Neulich in Wuppertal… … … ausgefühlt.

 

Der fotografische Resetknopf

Lesezeit ca. 2 Minuten.

Ich hab angefangen Fotografie zu studieren, und werde das ganze Thema von Grund auf neu angehen.  Warum ich das nach cirka fünf Jahren mache? Es gibt doch da diesen schönen Spruch…

Künstler wird man durch die Akademie oder trotz Akademie.

Um Künstler zu sein braucht man keine Akademie. Künstler sein bedeutet den Drang haben sich auszudrücken. Das geht ganz ohne Akademie und große Titel. Es kann aber helfen eine Akademie zu besuchen, um in kompakter Form all die gestalterischen & technischen Aspekte und Feinheiten kennen zu lernen, und die Geschichte auf deren Schultern man steht, und aus der sich die Dinge fortentwickeln. Der Besuch einer Akademie kann auch durchaus schaden, wenn man dort als freier, eigensinniger Geist mit dem Kulturbetrieb und seinen Zwängen konfrontiert wird…

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aus.grenzung, Philipp – 2016

Für eine „Karriere“ ist all das nicht wichtig. Das einzige was zählt sind im Grunde die Fotos. Ich glaube tatsächlich das Fotografie kein Hexenwerk ist. Mit Leidenschaft, Achtsamkeit, Intuition, Einfühlungsvermögen, einer Prise Spieltrieb und Kreativität, und natürlich der gängigen Fototechnik bekommt man heute geniale Arbeiten hin. Wenn ein paar der Faktoren zusammen kommen läuft das. Talent kann dabei helfen, oder einem im Wege stehen. Je nach dem. Der Rest ist Networking, eine Portion Glück und natürlich auch Zufall.

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Olympus E-M1, Summilux 25mm 1.4

Eigentlich braucht man so ein Akademie-Studium in Zeiten des Internets nicht mehr. Alles findet sich im Netz in Form von Artikeln, Tutorial-Videos, und unzähligen Seminarangeboten. Man muss doch nur machen, sich vernetzten, zu Meetups rennen und schon läuft das. Hängt man, bucht man halt einen jener hippen selfmade Fotografen die gerade die Fotoszene rocken, dann läufts wieder. So ein Studium erscheint da vergleichsweise sinnlos, uncool, und zeitaufwändig, verglichen mit den Events der angesagten Speaker und Tutoren. Warum also „studieren“?

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Ich hab den fotografischen Resetknopf gedrückt weil ich im Frühjahr in einer Sackgasse steckte. Ich war ratlos und gleichzeitig gesättigt. Ich finde es wichtig das man in Bewegung bleibt, und das man die Möglichkeiten nutzt die sich einem eröffnen. Deshalb hab ich diese Chance ergriffen, die sich durch das Stipendium bot. Es ist ein Abenteuer, es bedeutet Begegnung, und Neuland. Leinen los, und alles auf Anfang – ich freu mich darauf

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Life is a Clown

Lesezeit ca. 3 Minuten.

Am Wochenende ging es raus aufs Land zum Treffen der Clowns. Klingt merkwürdig? War leicht surreal – vor allem für mich – aber hey: So ist das Leben. Das Ergebnis sind jedenfalls drei kleine Bilderstrecken. An diesem Tag hab ich auch die ersten Farbsheets in die Graflex eingelegt, und natürlich später selbst entwickelt. Memo an mich:

  • Das Stativ und ich werden definitiv keine Freunde.
  • Großformat ist eine Diva!
  • Noch sorgfältiger sein bei der Wahl des Bildausschnittes, und bitte bitte nicht bewegen: Das Motiv nicht, der Fotograf nicht, das Stativ nicht, die Kamera nicht, nichts!
  • Beim C-41 Entwickeln dringend die Temperatur halten. Die Ergebnisse sind sonst…äh…  kreativ, wie die Outtakes ganz  unten zeigen.

Und was ist nu mit den Clowns? …

Eine bekannte Metapher auf die Welt, das Leben und uns Menschen darin ist der Clown. Ich hab manchmal auch das Gefühl das Leben ist ein Zirkus, und wir alle sind die Clowns. Ja, das Leben selber ist ein Clown, der uns gern mal übel mitspielt zum Vergnügen der Anderen. Wir alle sind diese maskierten, komisch, tragischen Gestalten, in der Manege des Lebens.

Die Metapher besagt das Clown sein bedeutet, das Leben ernst zu nehmen, aber mit Humor. Wenn das Leben dir Fallen stellt, und scheinbar unlösbare Aufgaben, wenn es dich auf so vielfache, bizarre, skurrile, tragische, traurige  Art und Weise scheitern lässt, und es deine Aufgabe ist wieder aufzustehen, dein Lachen wieder zu finden und einfach weiter zu machen. Wir können das gern als Übungen verstehen im Leben spontan zu sein, zu improvisieren, und die Möglichkeiten in uns und in anderen zu entdecken, auch da wo alles hoffnungslos erscheint… und das alles auch mal mit ironischem Augenzwinkern. Unser Leben hat nur genau eine Vorstellung. Wir sind eingeladen was tolles draus zu machen für uns selbst und unsere unmittelbare Umgebung, da wo wir sind, mit den Möglichkeiten die wir haben, und sogar darüber hinaus. Öfter mal Clown sein bedeutet auch das Kindliche in uns zu bewahren.

Klar, das Clownsgesicht ist auch eine Maske, eine Tarnung die unsere tatsächliche Stimmung – oder auch unser „wahres ich“ – vor der Öffentlichkeit versteckt. Ich verstehe das so, das wir von aussen nach innen, und von ihnen nach aussen wirken. Unser Denken und Fühlen drückt sich durch Handlungen, Mimik und Gestik aus, und diese wirken auf unser Denken und Fühlen vice versa. So sehe ich die Maske nur als ein vorübergehendes Mittel – ein Werkzeug – um uns selbst aus einem Tief zu helfen. Wenn ich in den Spiegel lache, auch wenn ich tief traurig bin, dann hebt sich mit der Zeit meine Stimmung. Wir wirken auch wie ein Spiegel auf andere. Was wir aussenden bekommen wir zurück. Für ein Lächeln bekommen wir ganz viele zurück. Auch wenn das alles n bisschen nach nem altbackenen Esoterik Lebensratgeber klingt… es ist ne prima Sache öfter mal den Clown raus zu lassen

Stay tuned – Carsten

Danke an alle für den tollen Tag:

Outtakes

Drei unbearbeitete Outtakes, der Rest des Films war leider komplett unbrauchbar und großteils schwarz. Ich vermute mal der Film war in der Dose unglücklich aufgespult. Ich hab eh drei Anläufe gebraucht um ihn auf die Spule zu bringen. Durch die sommerlichen Temperaturen wird es im Dunkelkammer-Wechselsack schnell feucht was den Film „weich“ werden lässt. Ausserdem hatte ich dieses mal Probleme die Temperatur bei der Entwicklung konstant zu halten. Das Ergebnis ist trotzdem irgendwie interessant:

Mein erster Eindruck vom Petzval 85mm 2.2

Lesezeit ca. 3 Minuten.

Letzte Woche war Andrea da, und hat ihre Lieblingsobjektive mitgebracht. Wir sind in den Wald um die Ecke gefahren und ich durfte auch mal damit spielen – danke.

Das Petzval hat es mir besonders angetan. Die Linse ist ein echter Hingucker mit ihrem schweren Korpus aus Messing – vielleicht wichtig als primärer Prahlmodus für den ein oder anderen Fotografen Es ist ein rein manuelles Objektiv. Das bedeutet es werden keinerlei Informationen an die Kamera übertragen, manuelle Bedienung von Fokus und Blende ist also angesagt.

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Um das Petzval an einer Systemkamera – in meinem Fall im Micro FourThirds Standard – zu betreiben ist ein Adapter notwendig. Da Andrea digital in der Canon Welt unterwegs ist haben wir hier ein Petzval mit Canon EF-Mount. Folgerichtig benötige ich einen Adapter auf MFT, wie zum Beispiel den Novoflex MFT/EOS Adapter. Wer jetzt über den Preis stöhnt, dessen Gesicht möchte ich sehen wenn das Kamera-Teil das er gerade nicht in der Hand hält Kontakt mit dem Boden aufnimmt. Klar gibt es preiswerte Adapter aber wer möchte schon sein teures Equipment einem Billigadapter anvertrauen?

Beim stolpern durch das Unterholz auf der Suche nach coolen Locations verliert man sehr leicht die Blende, da sie nur eingesteckt ist. Hier ist höchste Aufmerksamkeit geboten. Bei unserem Spaziergang hat sie mehr als ein mal auf dem Waldboden gelegen. Es ist sinnvoll sich eine clevere Sicherung zu überlegen… zum Beispiel mit einen Gummi oder einer Fangschnur die am Objektiv befestigt wird.

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Das manuelle Einstellen, und Beurteilen der Schärfe im elektronischen Sucher geht sehr gut. Als Hilfsmittel stehen bei Bedarf Lupe und Fokus-Peaking zur Verfügung, die ich auf die vorderen Tasten gelegt habe. Ich bin aber sehr gut ohne diese Hilfsmittel klar gekommen.

Allerdings ist Schärfe hier ein relativer Begriff. Das Petzval erzeugt bei Offenblende einen sehr weichen, verträumten, fast malerischen Bildeindruck und ein quirliges Bokeh. Das Motiv platziert man am Besten immer zentral in der Mitte!

Im Internet findet man auch gestochen scharfe Bilder, ich denke diese gelingen wenn man mit Stativ arbeitet und die Blende schließt. Wir haben bei diesen Aufnahmen mit Blende 2.2 (Offenblende) gearbeitet, und natürlich aus der Hand fotografiert – so wie ich das halt liebe

Andrea

Ich habe im Vorfeld an verschiedenen Stellen gelesen der Effekt wäre zu schwach bei dem relativ kleinen mFT Sensor. Ich finde ihn mehr als ausreichend. Man muss nur darauf achten das man selbst möglichst nah am Motiv, und der Hintergrund möglichst weit weg ist. Ausserdem muss man den Hintergrund mit bedacht wählen um ein ansprechendes Bokeh zu erzeugen.

Fazit: Es ist kein Objektiv für jedes Motiv. Es ist ein Objektiv das man sich erarbeiten muss. Der Swirl-Effekt des Bokehs nutzt sich – finde ich – schnell ab wenn man ihn zu häufig benutzt. Für ausgewählte Motive finde ich es genial. Man liebt es oder man liebt es nicht. Ich liebe es

Interessant wäre für mich das Objektiv mal an den  Metabones Adapter zu schrauben, und auch die 58 mm Variante des Petzval zu testen. Alternative Objektive, die ich auch mag und gerne an meiner Kamera sehen würde:

Soweit mein erster Eindruck. Vielleicht leiht mir Andrea das Objektiv ja noch einmal. Ich freu mich drauf Andrea hat ihren Erfahrungen mit analogen Objektiven auch einen Artikel gewidmet. Wer mag schaut vorbei. Deine Erfahrungen mit dem Petzval, oder mit anderen analogen Schätzchen würden mich interessieren. Ich freu mich über Kommentare.

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Camouflage – Mask & Mirror

Lesezeit ca. 1 Minute.

Lass uns mal was mit einer Maske machen, Carsten. Gesagt getan. Ein Wochenende mit fantastischer Herbstsonne genügt. Heute gibt es deshalb Schattenspielereien mit Andrea:

Wir tragen gerne Masken, schlüpfen in verschiedene Identitäten und Rollen – einfach aus Spaß an der Wandlung, aus gesellschaftlicher Notwendigkeit, um uns zu schützen  oder um uns verbergen vor anderen… und manchmal auch vor uns selbst. Die Masken die wir tragen sind dabei letztlich auch nur ein Spiegel von uns selbst.

 

Aftermath

Lesezeit ca. 1 Minute.

Diese Arbeit ist auf der schönen Insel Spiekeroog entstanden, auf der ich gerade ein paar Tage verbracht habe. Andrea und ich haben am Strand mit einem schlichten Tuch experimentiert. Dabei sind viele spannende Fotos entstanden. Zwei meiner Arbeiten kannst Du im Portfolio  ansehen.

Aftermath bedeutet die schwere Zeit nach einem Ereignis, oder auch Nachwirkung. Das ist eins meiner zentralen Themen: Wie gehen wir mit den dunklen und schweren Kapiteln unserer Vergangenheit um? Oft lasten sie auf uns, versperren uns die Sicht, hindern uns daran nach vorne zu schauen und unseren Weg weiter zu gehen. Wir empfinden sie negativ, als Belastung, und nutzen sie gerne mal als Entschuldigung für alles Mögliche.

Ich sehe in allem was mir – vor allem an negativ empfundenem – passiert eine Lernaufgabe. Je größer der Schmerz, desto genauer schaue ich hin was er für mich positives bedeutet. Dann lichtet sich der Nebel – manchmal nur leicht, und ich ändere meinen Kurs und komme auf meinem Weg weiter… Wenn mir im Moment die Sicht versperrt bleibt – weil das ein Prozess ist der schon mal was dauern kann, dann verharre ich oder taste mich blind weiter im Vertrauen das es später besser wird.

Insomnia

Lesezeit ca. 1 Minute.

Trotz Sommerpause hab ich ein wenig im Sketchbook gearbeitet. Herausgekommen ist Insomnia, das es im Ganzen hier im Portfolio zu sehen gibt.

Eigentlich wollte ich ja über den Sommer keine Composings mehr machen und lieber ausschließlich raus gehen und draussen fotografieren. Das hab ich auch bis jetzt gemacht. Das ich meine selbst auferlegte Regel nun breche liegt vielleicht daran das ich in diesen  Augusttagen immer besonders schlaflos bin. Der Jahrestag rückt zum siebten mal näher, und damit die Achterbahn der Gefühle die mich diese Tage immer wieder durchleben lässt.

„Du gehst. Der Weg ist vorgezeichnet. Es gibt kein Entrinnen. Mit kühler Präzision nehmen die Dinge ihren Lauf. Es gibt nichts anderes zu tun als sich zu fügen und in Träume zu flüchten. Fiebrig schlaflose Träume, in denen sich die Vergangenheit mit Sehnsüchten mischt. Nur Zukunft gibt es hier nicht mehr. Aber wo, aber was… Die Uhr tickt unerbittlich im Raster von  Stunden, Minuten und Sekunden auf das Unvermeidliche zu. Es ist so ein primitives statisches Raster an dem wir unser ganzes Leben ausrichten. Wir unterwerfen uns dem Diktat von Maschinen. Aber die Uhren lügen… Zeit ist relativ, sie fließt in einem stetigen Strom. Wenn die Zeit steht friert alles ein und wir erscheinen ewig, im Zeitraffer verwischen alle unsere Spuren als ob es uns nie gegeben hätte. Für uns gibt es nur eine Richtung im Strom der Zeit. Wir sind ein Augenblick. Du bist fort. Die Erinnerung wird noch eine Weile bleiben. Dann senkt sich Stille über alles.“ – Carsten Nichte – aus Gezeitenströme

Credits

 

Am See

Lesezeit ca. 1 Minute.

Was gibts schöneres an einem heißen Tag als am Wasser zu sein. Die Sonne brennt von oben und das Wasser ist flach wie ein Brett. Kein Lüftchen weht zur Kühlung. Ne prima Gelegenheit den Blick schweifen zu lassen und ein paar Fotos zu machen.

Ich war auf Stippvisite bei Andrea und wir haben ne kleine Runde um den Dümmer gedreht. Eine traumhafte Gegend, in die ich gerne in Zukunft öfter Reise

verblassende Emotionen

Lesezeit ca. 1 Minute.

Was braucht es um Emotionen wahrzunehmen? Eine Geste, eine Haltung, ein Blick, ein Duft? Wie viele Details benötigen wir um sie zu erfassen? Was bleibt, wenn wir uns versuchen zu erinnern? Sind unsere Erinnerungen wie alte Bilder die langsam verblassen – in denen alles mit der Zeit in der Unschärfe verschwimmt? Was am Ende bleibt sind in jedem Fall die Schatten eines schönen Gefühls, von unserem Unterbewusstsein aus dem Wesentlichen destilliert. Dem versuche ich fotografisch nachzuspüren.

still

still

Bereits im Sommer vergangenen Jahres war „still“ mein erster Versuch mich auf dem Pfad der konzeptionellen Fotografie zu bewegen. Bis dahin hatte ich so einige Portraits von Menschen gemacht, und dies war der Versuch ein paar Schritte zur Seite zu machen – weg von der Realität – um das Wesentliche herauszuarbeiten. Ziel des Experimentes war mich von den superscharfen Fotografien zu verabschieden, mich von all dem Pixelpeeping zu lösen das mich vom Wesentlichen ablenkt: Der Essenz von Stimmung und Gefühl.  Ich weiß nicht ob es mir gelungen ist das heraus zu arbeiten – das mag jeder Betrachter für sich entscheiden – aber ich mag das Ergebnis.

 

Die Freiheit ruft das Volk

Lesezeit ca. 5 Minuten.

La Liberté appelle le peuple

„Die Freiheit ruft das Volk“  entstand in loser Anlehnung an das berühmte Gemälde des französischen Malers Eugene Delacroix von 1830  „Die Freiheit führt das Volk“ – „La Liberté guidant le peuple“, und ist im Grunde ein Manifest. Im Gegensatz zur Freiheit der französischen Revolution ist meine eine einsame Ruferin in der Wüste. Der Ruf der Freiheit verhallt ungehört. Die Stadt im Hintergrund leuchtet geschäftig, altes vermischt sich hier mit Neuem. Eine Stadt mit Traditionen offensichtlich. Im Hintergrund halten sich die mächtigen Bank-,  Konzern- und Regierungsgebäude, die Zentren der Macht.  Die Stadt erscheint nicht real sondern eher wie eine Fassade. Sie ist eine  eindimensionale und flache Kulisse in der die Mächtigen dieser Welt ihr Schauspiel geben. Hier tanzen sie um ihre goldenen Kälber. Für ihre Ziele lügen und manipulieren sie, beuten die Welt aus – das Erbe aller Menschen, und der einzige Ort an dem wir existieren können –  und  spielen die Menschen und Völker gegeneinander aus. Sie halten uns in Abhängigkeit und Schuld, verhalten sich respektlos gegen Mensch und Natur. Alles dient nur als Schmiermittel für ihr System in dem Sie immer gewinnen.

"C'était la fin de la liberté promise". Das war das Ende der verheißenen Freiheit ...und so schritt sie hinaus vor die Tore der Stadt...

„C’était la fin de la liberté promise“. Das war das Ende der verheißenen Freiheit …und so schritt sie hinaus vor die Tore der Stadt…

Wir echauffieren uns in der Zwischenzeit über unsere Vorfahren, ungläubig wie denen „so etwas“ passieren konnte, und wähnen uns so klug, wachsam und informiert. Aber die Diktatur kommt – anders als früher – schleichend daher. Sie versteckt sich, tarnt sich, ihre Führer bleiben im Dunklen. Sie ist ist ein globales Phänomen. Wir erkennen sie nicht, aber wir spüren immer mal wieder das „da“ etwas nicht stimmt. Manchmal passiert etwas das uns beunruhigt, uns kurz aus der Trägheit schüttelt damit wir dann wieder gemächlich in unser bequemes Sofa sinken können während aus den Lautsprechern ein „alles ist gut“ zu uns herüber schallt. Aber meist ist es nur ein diffuses Gefühl, ein Hintergrundrauschen, wir können es nicht eingrenzen oder einordnen weil wir auf so vielen Ebenen manipuliert und gegeneinander ausgespielt werden. Der Feind ist nicht greifbar, unser Unbehagen greift ins Leere,  und der Rest liegt im Nebel. Wir sind so träge das wir die immer offener und dreister vorgetragenen Lügen mittlerweile  für normal halten. Freiheit ist mindestens die Freiheit seine Abhängigkeit frei wählen zu können. Haben wir noch die Wahl? Wir sind zumindest satte Sklaven unserer Trägheit und unserer Gewohnheiten geworden. Ob wir ohne es zu Ahnen zu Wegbereitern und Komplizen einer neuen Diktatur werden wird die Geschichte zeigen.

„Das war das Ende der verheißenen Freiheit …und so schritt sie hinaus vor die Tore der Stadt.“.  Die Freiheit, sie ruft. Vielleicht sollten wir hinhören bevor sie ganz verloren geht.

Soweit die Geschichte hinter den Fotos, die es im Portfolio auch in groß zu sehen gibt.

Über das Shooting

Dieses Projekt war in vielerlei Hinsicht ein Novum für mich. Am liebsten fotografiere ich ja einfach mit dem vorhandenem Licht, und sehr dicht am Menschen. Dabei arbeite ich sehr intuitiv und Nutze spontan die Orte die wir vorfinden. In der Regel bin ich mit dem Model alleine unterwegs, und hab meine Festbrennweite und höchsten einen Reflektor dabei. Photoshop benutze ich für die Nachbearbeitung eigentlich nie. Auch wenn ich schon das ganz Jahr bestrebt bin konzeptionelle Elemente und Requisiten – meist persönliche Gegenstände des Models – in meine Fotos einfließen zu lassen, bleibt doch alles immer sehr spontan und im Moment verhaftet. Ich gebe sehr wenige Anweisungen. Es entspannt sich vielmehr ein Dialog zwischen mir und dem Model in dessen Verlauf ich versuche die verschiedene natürlichen und unverstellten Facetten des Menschen vor mir zu erfassen. Authentizität ist mir wichtig, Inszenierung und große Posen liegen mir fern. Diesmal  ist alles anders: Es gibt eine Bildidee – eine Inszenierung – ein Moodboard, einen Plan, eine Vorbereitung, ein Requisit, eine feste vorher festgelegte Location, mein Wunschmodel und einige Helfer, Landschaft, und Blitze! Viel Neuland, aber mal der Reihe nach…

Carsten checkt den Frame. und bereitet die Bühne.

Vorbereitung

Da ist zum einen die Schwierigkeit das Bild im Kopf auf eine reale Grundlage zu stellen. Eine geeignete Location muss her, die Requisiten dürfen gefunden werden was sich in diesem Fall auf ein Horn und das Kleid beschränkte. Ein geeignetes Model zu finden ist ein  eigenes Thema für sich. Dann benötigt man noch eine Visagistin und Helfer die einfach da sind sei es zum Transport des Materials für Garderobe, Licht, Technik, Catering …auch als zusätzliches paar Augen während des Shootings, denn dem Fotografen entgeht in der Konzentration auf das Sujet schon mal ein Detail… und so weiter. Alle Supporter sind so unglaublich wichtig das man gar nicht dankbar genug sein kann so tolle und engagierte Leute um sich zu haben.

Mein Ziel ist es so viel wie möglich „Foto on Location“ zu erzeugen – also Ausgangsmaterial das so nah wie möglich am Endergebnis sein soll, um so wenig wie nötig Photoshop in der Nachbearbeitung benutzen zu müssen. Das Ausbalancieren des Lichtes und der Lichtstimmung – wir werden neben dem Model ja auch viel Landschaft im Bild haben – wird ne große Herausforderung, vor allem da ich das erstmalig in diesem Stil mache.

Umsetzung

Hady, Heike, Max und ich sind also losgezogen um meine Idee  lebendig werden zu lassen. Der recht steile Aufstieg auf die Halde dauerte etwas über eine halbe Stunde. Oben angekommen  war es  trübe – die Fernsicht ging gegen null, ein spannender Wolkenhimmel war nicht zu erkennen. Es war eiskalt, windig (natürlich aus der falschen Richtung) und feucht und die ganze Lichtstimmung  gar nicht mehr so magisch wie noch ein Woche zu vor als ich dort Testfotos gemacht habe. Das Shooting gestaltete sich deshalb sehr zügig – für meinen Geschmack zu zügig. Ich brauche Zeit zum Ankommen, Einschwingen, Tüfteln und Improvisieren, aber viel Zeit zum probieren nahmen wir uns nicht, dafür war es einfach zu ungemütlich. Da alles schön grau in grau war verzichteten wir auch anders als geplant auf den Einsatz von Blitzen – was sich nachher doch als Fehler herausstellte.

Die Nachbereitung

Jetzt ist aus der Fotografie doch eine Collage geworden. Genau genommen  ist es die größte Arbeit die ich je in Photoshop gemacht habe, und noch genauer genommen ist es die erste und einzige ihrer Art  mit über 2,5 GB Dateigröße und über 35 Layern. Die Stunden die ich daran gefeilt habe hab ich irgendwann aufgehört zu zählen. Ob es mir gelungen ist zum Ziel zu kommen kann ich gerade  nicht beurteilen. Mein Gefühl ist im Moment eher das der Aufwand in keiner Relation zum Ergebnis steht.

Gelernt habe ich das ich doch eher Fotograf bin und weniger photoshoppender Bildbearbeiter. Es hat zwar viel Spaß gemacht, aber ich würde gerne weniger Zeit vor dem Rechner verbringen sondern mehr draußen hinter der Kamera. Nicht zuletzt wegen dem Wetter wäre es auch sinnvoller gewesen das Model im Studio zu fotografieren. Ein separates Foto von der Location, und auch vom Himmel. Das wir ausgerechnet den kältesten aller Tage erwischen ist natürlich Pech aber auch typisch fürs Arbeiten an der frischen Luft: Man ist sehr wetterabhängig.

Mal sehen wie ich in Zukunft mit den Erfahrungen umgehe. „Leider“ schwirren mir noch einige Bilder im Kopf herum die vermutlich in einem ähnlichen Weg münden. Das Jahr bleibt also spannend.

Credits

Hady Pictures – Model, Garderobe
Alexandra Kaumanns, Hady – Visa
Heike Skamper – Assist
Maximilian – Assist
Helmut Brands – Brandswerk – für das Horn

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