Die Freiheit ruft das Volk

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La Liberté appelle le peuple

„Die Freiheit ruft das Volk“  entstand in loser Anlehnung an das berühmte Gemälde des französischen Malers Eugene Delacroix von 1830  „Die Freiheit führt das Volk“ – „La Liberté guidant le peuple“, und ist im Grunde ein Manifest. Im Gegensatz zur Freiheit der französischen Revolution ist meine eine einsame Ruferin in der Wüste. Der Ruf der Freiheit verhallt ungehört. Die Stadt im Hintergrund leuchtet geschäftig, altes vermischt sich hier mit Neuem. Eine Stadt mit Traditionen offensichtlich. Im Hintergrund halten sich die mächtigen Bank-,  Konzern- und Regierungsgebäude, die Zentren der Macht.  Die Stadt erscheint nicht real sondern eher wie eine Fassade. Sie ist eine  eindimensionale und flache Kulisse in der die Mächtigen dieser Welt ihr Schauspiel geben. Hier tanzen sie um ihre goldenen Kälber. Für ihre Ziele lügen und manipulieren sie, beuten die Welt aus – das Erbe aller Menschen, und der einzige Ort an dem wir existieren können –  und  spielen die Menschen und Völker gegeneinander aus. Sie halten uns in Abhängigkeit und Schuld, verhalten sich respektlos gegen Mensch und Natur. Alles dient nur als Schmiermittel für ihr System in dem Sie immer gewinnen.

"C'était la fin de la liberté promise". Das war das Ende der verheißenen Freiheit ...und so schritt sie hinaus vor die Tore der Stadt...

„C’était la fin de la liberté promise“. Das war das Ende der verheißenen Freiheit …und so schritt sie hinaus vor die Tore der Stadt…

Wir echauffieren uns in der Zwischenzeit über unsere Vorfahren, ungläubig wie denen „so etwas“ passieren konnte, und wähnen uns so klug, wachsam und informiert. Aber die Diktatur kommt – anders als früher – schleichend daher. Sie versteckt sich, tarnt sich, ihre Führer bleiben im Dunklen. Sie ist ist ein globales Phänomen. Wir erkennen sie nicht, aber wir spüren immer mal wieder das „da“ etwas nicht stimmt. Manchmal passiert etwas das uns beunruhigt, uns kurz aus der Trägheit schüttelt damit wir dann wieder gemächlich in unser bequemes Sofa sinken können während aus den Lautsprechern ein „alles ist gut“ zu uns herüber schallt. Aber meist ist es nur ein diffuses Gefühl, ein Hintergrundrauschen, wir können es nicht eingrenzen oder einordnen weil wir auf so vielen Ebenen manipuliert und gegeneinander ausgespielt werden. Der Feind ist nicht greifbar, unser Unbehagen greift ins Leere,  und der Rest liegt im Nebel. Wir sind so träge das wir die immer offener und dreister vorgetragenen Lügen mittlerweile  für normal halten. Freiheit ist mindestens die Freiheit seine Abhängigkeit frei wählen zu können. Haben wir noch die Wahl? Wir sind zumindest satte Sklaven unserer Trägheit und unserer Gewohnheiten geworden. Ob wir ohne es zu Ahnen zu Wegbereitern und Komplizen einer neuen Diktatur werden wird die Geschichte zeigen.

„Das war das Ende der verheißenen Freiheit …und so schritt sie hinaus vor die Tore der Stadt.“.  Die Freiheit, sie ruft. Vielleicht sollten wir hinhören bevor sie ganz verloren geht.

Soweit die Geschichte hinter den Fotos, die es im Portfolio auch in groß zu sehen gibt.

Über das Shooting

Dieses Projekt war in vielerlei Hinsicht ein Novum für mich. Am liebsten fotografiere ich ja einfach mit dem vorhandenem Licht, und sehr dicht am Menschen. Dabei arbeite ich sehr intuitiv und Nutze spontan die Orte die wir vorfinden. In der Regel bin ich mit dem Model alleine unterwegs, und hab meine Festbrennweite und höchsten einen Reflektor dabei. Photoshop benutze ich für die Nachbearbeitung eigentlich nie. Auch wenn ich schon das ganz Jahr bestrebt bin konzeptionelle Elemente und Requisiten – meist persönliche Gegenstände des Models – in meine Fotos einfließen zu lassen, bleibt doch alles immer sehr spontan und im Moment verhaftet. Ich gebe sehr wenige Anweisungen. Es entspannt sich vielmehr ein Dialog zwischen mir und dem Model in dessen Verlauf ich versuche die verschiedene natürlichen und unverstellten Facetten des Menschen vor mir zu erfassen. Authentizität ist mir wichtig, Inszenierung und große Posen liegen mir fern. Diesmal  ist alles anders: Es gibt eine Bildidee – eine Inszenierung – ein Moodboard, einen Plan, eine Vorbereitung, ein Requisit, eine feste vorher festgelegte Location, mein Wunschmodel und einige Helfer, Landschaft, und Blitze! Viel Neuland, aber mal der Reihe nach…

Carsten checkt den Frame. und bereitet die Bühne.

Vorbereitung

Da ist zum einen die Schwierigkeit das Bild im Kopf auf eine reale Grundlage zu stellen. Eine geeignete Location muss her, die Requisiten dürfen gefunden werden was sich in diesem Fall auf ein Horn und das Kleid beschränkte. Ein geeignetes Model zu finden ist ein  eigenes Thema für sich. Dann benötigt man noch eine Visagistin und Helfer die einfach da sind sei es zum Transport des Materials für Garderobe, Licht, Technik, Catering …auch als zusätzliches paar Augen während des Shootings, denn dem Fotografen entgeht in der Konzentration auf das Sujet schon mal ein Detail… und so weiter. Alle Supporter sind so unglaublich wichtig das man gar nicht dankbar genug sein kann so tolle und engagierte Leute um sich zu haben.

Mein Ziel ist es so viel wie möglich „Foto on Location“ zu erzeugen – also Ausgangsmaterial das so nah wie möglich am Endergebnis sein soll, um so wenig wie nötig Photoshop in der Nachbearbeitung benutzen zu müssen. Das Ausbalancieren des Lichtes und der Lichtstimmung – wir werden neben dem Model ja auch viel Landschaft im Bild haben – wird ne große Herausforderung, vor allem da ich das erstmalig in diesem Stil mache.

Umsetzung

Hady, Heike, Max und ich sind also losgezogen um meine Idee  lebendig werden zu lassen. Der recht steile Aufstieg auf die Halde dauerte etwas über eine halbe Stunde. Oben angekommen  war es  trübe – die Fernsicht ging gegen null, ein spannender Wolkenhimmel war nicht zu erkennen. Es war eiskalt, windig (natürlich aus der falschen Richtung) und feucht und die ganze Lichtstimmung  gar nicht mehr so magisch wie noch ein Woche zu vor als ich dort Testfotos gemacht habe. Das Shooting gestaltete sich deshalb sehr zügig – für meinen Geschmack zu zügig. Ich brauche Zeit zum Ankommen, Einschwingen, Tüfteln und Improvisieren, aber viel Zeit zum probieren nahmen wir uns nicht, dafür war es einfach zu ungemütlich. Da alles schön grau in grau war verzichteten wir auch anders als geplant auf den Einsatz von Blitzen – was sich nachher doch als Fehler herausstellte.

Die Nachbereitung

Jetzt ist aus der Fotografie doch eine Collage geworden. Genau genommen  ist es die größte Arbeit die ich je in Photoshop gemacht habe, und noch genauer genommen ist es die erste und einzige ihrer Art  mit über 2,5 GB Dateigröße und über 35 Layern. Die Stunden die ich daran gefeilt habe hab ich irgendwann aufgehört zu zählen. Ob es mir gelungen ist zum Ziel zu kommen kann ich gerade  nicht beurteilen. Mein Gefühl ist im Moment eher das der Aufwand in keiner Relation zum Ergebnis steht.

Gelernt habe ich das ich doch eher Fotograf bin und weniger photoshoppender Bildbearbeiter. Es hat zwar viel Spaß gemacht, aber ich würde gerne weniger Zeit vor dem Rechner verbringen sondern mehr draußen hinter der Kamera. Nicht zuletzt wegen dem Wetter wäre es auch sinnvoller gewesen das Model im Studio zu fotografieren. Ein separates Foto von der Location, und auch vom Himmel. Das wir ausgerechnet den kältesten aller Tage erwischen ist natürlich Pech aber auch typisch fürs Arbeiten an der frischen Luft: Man ist sehr wetterabhängig.

Mal sehen wie ich in Zukunft mit den Erfahrungen umgehe. „Leider“ schwirren mir noch einige Bilder im Kopf herum die vermutlich in einem ähnlichen Weg münden. Das Jahr bleibt also spannend.

Credits

Hady Pictures – Model, Garderobe
Alexandra Kaumanns, Hady – Visa
Heike Skamper – Assist
Maximilian – Assist
Helmut Brands – Brandswerk – für das Horn